Gerd S.

Vor einigen Jahren haben wir Kontakt zu dem Veteran Gerd S. gefunden, regelmäßig besucht man einander und es hat sich eine tiefe Freundschaft entwickelt die wir nicht mehr missen möchten. Im Juni 2011 sollte es sogar zu einer gemeinsamen Reise in die Normandie kommen um die Feierlichkeiten des 67. Jahrestag der Invasion zu besuchen. Gerd S., Veteran des Fallschirmjäger Regiment 6 erlebte die Invasion im Raum Utah Beach und in Carentan. Hier einige seiner Erinnerungen aus der Zeit der Kämpfe in der Normandie.

Gerd S. wurde in Tilsit geboren und wurde bereits mit siebzehn Jahren zum Arbeitsdienst eingezogen. "Wir waren am Pas-de-Calais eingesetzt und btzzmussten die Dünen betonieren damit der Engländer nicht landen konnte." "Ich konnte von uns aus viele Luftkämpfe über dem Kanal beobachten." Nach einem Jahr kam Gerd S. dann an die Flugführergerschule nach Marseille um als Pilot in die Ausbildung zu gehen. "Ich war bereits so gut das ich eigenständig eine Maschine bedienen konnte." Als jedoch Russland immer weiter nach Deutschland drängte wurde die Fliegerschule geschlossen. "Aufgrund von Treibstoffmangel wurde die Schule geschlossen, wir wurden dann gefragt ob wir zur Waffen-SS wollen oder zu den Fallschirmjägern, ich entschloss mich spontan für die Fallschirmjäger, ich mochte die Luftwaffe und ihre Uniformen." Gerd S. kam dann zur Ausbildung nach Dreoux und begann mit der Ausbildung zum Fallschirmjäger. "Ich machte sechs Sprünge, einen aus der Bodenkanzel der HE-111 und sogar einen Nachtsprung." 1944 wurde das Fallschirmjäger Regiment 6 in Köln-Wahn neu aufgestellt, auch Gerd S. wurde dazu eigezogen und verbrachte wenige Monate im Raum Köln/Bonn. "Wir dienten unter Oberstleutnant von der Heydte, ich als Gefreiter mit den Aufgaben eines Melders in der 6. Kompanie im II. Bataillon unter Hptm. Mager." Im April erfolgte dann die Verlegung in die Normandie. "Wir wurden mit der Bahn transportiert, einmal mussten wir den ganzen Zug aus Gefahr vor Fliegern sprungartig verlassen." "Ich sollte vorerst nach Ste.-Mere-Eglise kommen, und von da aus in unseren Bereitstellungsraum irgendwo zwischen Carentan und Lessay." Gerd S. bemerkte das irgendwann etwas pasieren müsste. "Wir lagen dann ab April/Mai fast jede Nacht in unseren Stellungen, wir merkten das irgendwann etwas dsc_0020passieren müsste, wir hofften allerdings nicht unbedingt genau bei uns." In der Nacht vom 5. auf den 6. Juni sollte dann die Invasion beginnen, zu diesem Zeitpunkte war Gerd S. neunzehn Jahre alt. "Wir lagen wieder in unseren Stellungen, wir konnten die Bomber hören wie sie irgendwo über uns flogen und ihre Ziele angriffen." "Von den amerikanischen Fallschirmjägern und ihren Absprung konnte ich nichts erkennen man hörte nur das am Himmel wohl gewaltig was los sein musste." "Es hieß plötzlich Alarm, vereinzelte Kämpfe evtl. größere Luftlandungen." Das Bataillon erhielt dann den Befehl bis nach Ste.-Mere-Eglise entlang der N13 zu stoßen, drehte jedoch ab um dann in Richtung Utah Beach zu marschieren um sich den landenen Amerikanern an der Küste entgegenzustellen. "Auf unserem Weg konnte man Fallschirme in den Bäumen hängen sehen." Gerd S. erinnert sich an die erste Begegnung mit den Amerikanern. "Wir nahmen dann die ersten amerikanischen Gefangenen, sie hatten geschwärzte Gesichter das hatte ich vorher nie gesehen." Das Bataillon bewegte sich weiter vorwärts bis in den Raum Turqueville "Im Raum Turqueville machte uns der Gegner schwer zu schaffen und wir konnten den Utah nicht mehr erreichen." Das Bataillon wird in Kämpfe mit dem amerikanischen 505. PIR verwickelt und erleidet Verluste, Teile des Bataillon liegen zeitweise im Bereich der gegnerischen Schiffsartillerie. In dieser Zeit fällt auch der Zugführer von Gerd S., der Leutnant W. Thym (siehe vierte Bild v. oben: Gerd S. am Grab seines Lt. Thym in Orglandes). "Er fiel wenige Meter von mir entfernt, er streckte den Kopf nach oben und erhielt einen Kopfschuss, wir alle hatten eine besonder Bindung zu ihm, er war gerade einundzwanzig Jahre alt." Nach schweren Kämpfen trat das Bataillon dann den Rückzug an. "Der Gegner war so stark das sich das Bataillon auf den Raum St.-Come-du-Mont zurück zog." "Wir konnten mit ansehen wie Lastensegler der Amerikaner als Verstärkung runter kamen." Gefolgt von schweren Kämpfen zog sich das Regiment entlang der Sümpfe dann später bis nach Carentan zurück. "Das Bataillon überquerte den Douve über einen dsc_0015Bahndamm, das muss alles so um den 8. oder 9. Juni gewesen sein." In den Vororten sollte die Kompanie wieder in schwere Kämpfe verwickelt werden "Nahe dem Bahnhofsviertel und Pommenauque wurde unsere Kompanie eingesetzt. So wie ich mich erinnere stand ich unter dem Kommando von Zugführer Brunnklaus, Lt. Thym war ja gefallen. Wir kämpften dort gegen das 502. und 506. PIR" "Ich rannte immer wieder zwischen den Stellungen hin und her um Meldung zu machen, dabei wurde einem durch die Amerikaner ganz schön zugesetzt." In diesem Zeitraum erhält das Regiment Verstärkung durch die 17.SS-Panzerdivision der das Regiment unterstellt wurde. "Die Division vermochte nichts auszurichten, etwa am 11. Juni begannen wir damit Carentan zu räumen." Das Regiment zog sich langsam zurück in Richtung Periers und Raids, Anfang Juli wurde dann die 17.-SS Panzerdivision durch die 2.-SS Panzerdivision abgelöst. Gerd S. wird später am 4. Juli durch einen Artillerieangriff zwischen Perieres und Raids verwundet. "Ich war dabei Teile der neuen SS-Division einzuweisen als plötzlich die Granaten einschlugen. Ich merkte noch einen schweren Schlag an der Hüfte und an meinem Helm. Ein Splitter durchschlug den Kolben meiner Waffen und dsc_0208anschliessend meine Hüfte, ich konnte den Pulverdampf atmen, alle paar Meter schlug eine Granate ein. Es herrschte großes Chaos und ich machte mich zu Fuß auf zum Regiment. Später auf dem Verbandsplatz habe ich sehr viel Elend gesehen." Gerd S. wurde aus der Normandie gebracht. "St-Lo habe ich nicht mehr erlebt,l dass war es dann für mich in der Normandie." "Wenn ich an die Normandie denke und an meine Kameraden fällt mir neben Oblt. von der Heydte, Hptm. Mager und Lt.Thym auch unser Oberfeldwebel Alexander Uhlig ein, der hat in der Normandie einiges geleistet. Neben dem Ritterkreuz das er in der Normadie bei Seves bekam hat er dort auch einen 3 Std. Waffenstillstand mit den Amerikanern ausgehandelt damit jeder seine Verwundeten bergen konnte. Dafür haben ihn die Amerikaner nach dem Krieg sogar in die USA eingeladen." "Später kam ich in ein Hospital in Amsterdam, in dieser Zeit wurde mir das eiseren Kreuz II. Klasse und das Verwundetenabzeichen in schwarz verliehen." Gerd S. sollte im Herbst noch zu einem zwei wöchigen Einsatz in Holland kommen. "Als ich zu meinem Regiment kommen sollte fragte mich Oberstleutnant von der Heydte ob ich rauchen würde, ich sagte ihm das ich das nicht tun würde. Ich robert noody 3glaube er wollte mir Zigaretten anbieten war jedoch verwundert das ich keine wollte, damals rauchten viele Soldaten." "Mein Bataillon kämpfte bei Bergen op Zoom gegen Neuseeländer. Das waren alles lange, große Kerle. Meine Wunde war jedoch noch nicht richtig geheilt und so sollte ich dann mein Regiment verlassen und Heimaturlaub in Marienburg bekommen. Bei den Kämfen in der Eifel usw. war ich schon weg". Während dieser Zeit drängte die Russen immer weiter nach Westen. "Es war Anfang 1945 als ich mit einem der letzten Züge als Verwundeter über die Weichsel kommen sollte, wenig später wurden die Brücken gesprengt und der Russe hätte mich bekommen." "Ich sollte dann in die Lübecker Bucht kommen und einige Zeit bleiben, ich kann mich erinnern das dort die Cap Arkona vor Anker lag. Von da aus ging es nach Stendal zu meinem Regiment, jedoch hingen überall weiße Fahnen." Wenig später ergab sich Gerd S. den Amerikaner. "Ich wollte mich eigentlich bis nach Flensburg durchschlagen, wir liefen fern der Strassen um kein Ziel zu bilden aber es wurde zu gefährlich und so ergaben wir uns auf einer Strasse bei Osterburg den Amerikanern." Gerd S. gelangte als Kriegsgefangener nach Belgien wo er das Kriegsende erlebte. "Die Belgier veranstalteten ein großes Feuerwerk, da wussten wir nun ist es vorbei." "Die Amerikaner haben mich gut behandelt, ich kann nicht klagen. Ich trug eine amerikanische Jacke mit der großen Aufschrift POW als Zeichen das ich ein Kriegsgefangener war." Zwei Jahre nach der der amerikanischen Gefangenschaft kehrte Gerd S. nach Hause zu seiner Familie zurück.

Ein ganz besonderes Geschenk: In Zuge unserer Freundschaft schenkte Gerd S. uns sein Springerabzeichen das er während der Kämpfe in der Normandie trug, nach seinen Worten "mit Stolz".

springerabzeichen

Während unserer Reise mit Gerd S. im Jahre 2011 in die Normandie lernte Gerd S. zahlreiche amerikanische Veteranen kennen aus denen sich Freundschaften gebildet haben, wie hier mit dem amerikanischen Veteran James H. "Pee Wee" Martin (G/506). Die Gegner von einst, die dennoch das gleiche Schicksal teilten, treffen sich als Freunde und reichen einander die Hände. "Ich hätte nie Gedacht das die Amerikaner mich mit so offenen Armen empfangen, es ist unvergesslich für mich was ich erleben durfte."

pee wee martin

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wir bedanken uns bei Gerd S. für die tolle Freundschaft und hoffen das sie noch lange bestehen bleibt.