Karl-Heinz M.

Vor einiger Zeit hatten wir das Glück Karl-Heinz M. zu begegnen. Seither besteht eine Freundschaft und stetiger Kontakt zu dem deutschen Veteran. Karl-Heinz M. war Angehöriger der 3. Kompanie des I. Bataillon des Fallschirmjäger Regiment 6 "von der Heydte" und erlebte die ersten Stunden der Invasion im Raum Utah Beach und Raum Carentan. Hier einige seiner Erinnerungen an jene Tage im Juni 1944.

Karl-Heinz M. wurde am 13.04.1926 in Oldenburg geboren. "Ich hatte eine gute Kindheit, schon früh interessierte mich das Fliegen." In jungen karl heinz m 7Jahren begann Karl-Heinz M. mit dem Bau von Modellfliegern. "Ich verbrachte viel Zeit als Kind auf dem Flugplatz, da wollte ich dann auch Pilot werden." "Leider konnte ich keine Ausbildung als Flugzeugmechaniker machen, und da wurde ich dann Huf- und Wagenschmied. Das Fliegen ließ Karl-Heinz M. jedoch nicht los, und so meldete sich Karl-Heinz M. in der Flieger-HJ. "Ich flog den Schulgleiter SG38, musste dann jedoch 1943 zum Arbeitsdienst." (siehe Bild eins, links) Karl-Heinz M. wurde in den Raum Riga verlegt "Wir mussten Gräben ausheben, dabei sind wir auf ein Massengrab gestoßen - es handelte sich bei den Toten um polnische Offiziere, von den Russen erschossen." Später meldete sich Karl-Heinz M. freiwillig zur Luftwaffe "Ich musste nach Hamburg-Rissen und habe dort dann die Tauglichkeitsprüfung bestanden, da stand ein Offizier der stellte Kopfrechenaufgaben in einem eiligen Tempo - 500 weniger 40, plus 240, minus 60, geteilt, minus usw." Karl-Heinz M. wurde dann nach Quedlinburg verlegt um als Pilot ausgebildet zu werden. "Ich wollte die Me-109 fliegen, jedoch hat sich nach einer Woche noch immer nichts getan." Karl-Heinz M. erfuhr von einem Vorgesetzten das wohl keine Piloten mehr gebraucht würden. "Als wir das hörten haben wir schon unter der Hand gesagt das es das wohl mit dem Krieg und dem Sieg gewesen ist." Die Männer wurden dann wenige Tage später nach Frankreich verlegt. "Wir mussten dort auf einem alten Flugplatzgelände Unterstände usw. bauen." Eines Tages musste die Kompanie dann vor zwei Offizieren antreten. "Da standen dann zwei Offiziere vor uns und stellten sich mit dem Namen von der Heydte und Ramke vor." Die beiden Offiziere suchte Männer die sich freiwillig zu den Fallschirmjägern melden wollten. "Ich und ein Freund aus Bremen meldeten uns dann und es sollte wenig später nach Köln-Wahn gehen, dort wurde das 6. Regiment neu aufgestellt." Jedoch meldeten sich die beiden Männer zu früh in Köln-Wahn und so wurden die beiden Männer noch drei Wochen karl heinz m 6beurlaubt. Nach den drei Wochen sollte dann die Ausbildung zum Fallschirmjäger beginnen. (siehe Bild zwei, links, roter Kreis) "Ich machte acht Sprünge aus der Ju-52 und zwei Nachtsprünge aus der He-111." "Ich diente von diesem Zeitpunkt an als Obergefreiter in der 3. Kompanie des I. Bataillon im 6. Regiment unter dem Kommando von Frh.v.d. Heydte." Im März/April 1944 sollte das Regiment dann in die Normandie verlegt werden. "Wir sollten bei einem Bauern unterkommen, wo das genau war kann ich nicht mehr sagen. Unsere Unterkunft wechselten wir irgendwann dann in einen kleinen Wald nahe dem Bauernhof, da haben wir uns drei Tage komplett selbst versorgt, zur Mahlzeit dienten dann auch Würmer." Noch in den Monaten vor der Invasion ließ Frh.v.d. Heydte Teile des Regiment in ihren Stellungen übernachten. "Wirklich mit der Invasion gerechnet habe ich nicht." In der Nacht vom 5./6. Juni sollte dann die Invasion beginnen. "Ich hatte noch ein Feuer gemacht was wir eigentlich nicht durften, plötzlich sprang irgendwann ein amerikanischer Fallschirmjäger genau in unserer Stellung. Unser Posten hat dann Alarm geschlagen und den Amerikaner mit einem Schuss in die Halsschlagader getötet. Der Posten selber hat noch einen Treffer an seiner Handgranate bekommen, die ist aber nicht explodiert sondern nur auseinander gegangen" Nun erkannten die Männer auch das karl heinz m 5eine Vielzahl von Flugzeugen am Himmel war. "Wir hörten den Lärm und das die Flieger bestimmt nicht von uns waren." Das I. Bataillon wurde mobilisiert. Auf einer Anhöhe nahe der Stellung von Karl-Heinz M. wurden dann weitere amerikanische Fallschirmjäger ausgemacht. "Ich sollte in einem Graben zurückbleiben und Rückendeckung geben, man hat mir einfach ein französisches MG in die Hand gedrückt, ich wusste gar nicht genau wie das Ding funktionierte." "Mir ging die Angst durch die Knochen, die alten Hasen sind dann zum Angriff übergegangen, ich als junger Bursche sollte zurück bleiben." "Ich konnte sehen wie einer unser Kameraden einen Schuß in den Rücken kriegte und fiel, da war meine Angst plötzlich verschwunden und dachte "Ihr Mistkerle"." Die Gruppe um Karl-Heinz M. sammelte sich nach dem Angriff wieder. "Wir sammelten uns an der Gulaschkanone und dann ging es weiter, weit sind wir nicht gekommen." Erneut machte die Gruppe um Karl-Heinz M. eine Stellung der Amerikaner aus. "Meine Gruppe machte eine Stellung der Amerikaner aus die zuvor irgendwo gelandet waren und nun in einem Busch saßen, ich kann nicht mehr sagen wo das war. Ich wurde angewiesen Öl für das MG zu holen weil wir eine Ladehemmung hatten, wir waren eine Gruppe von ca. 5 oder 6 Männern, da wurde es schon dunkel." Karl-Heinz M. machte sich auf den Weg zurück "Ich lief mitten auf dem Weg, ich höre noch einen Kameraden aus meiner Gruppe rufen ich solle von dem Weg verschwinden und am Rand laufen." Nach einiger Zeit sollte Karl-Heinz. M. wieder an die Stelle kommen an der er angewiesen wurde das Öl zu holen. "Als ich wieder zu der Stelle kommen sollte waren alle tot, die Gruppe wurde zusammengeschossen, mein Glück war es das ich das Öl holen sollte. Es war wieder Abend und dunkel geworden und ich beschloss die Stellung der Amerikaner zu umgehen, ich konnte immer wieder das Mündungsfeuer von ihren MG''s sehen - dann habe ich blind mit meinem Sturmgewehr in die Stellung gehalten es war ja wieder dunkel. Ich konnte dann in die Stellung sehen und konnte 4-5 tote Amerikaner erkennen." Karl-Heinz M. war von diesem Zeitpunkt alleine und versprengt. "Ich bin immer in die Richtung gegangen von der aus ich unsere MG''s hören konnte, die haben sich von den amerikanischen karl heinz munterschieden." In der Nacht vom 6. Juni auf den 7. Juni sollte Karl-Heinz M. dann auf eine Gruppe von deutschen Soldaten stoßen die aus Richtung des Utah Beach kamen. "Das waren keine Fallschirmjäger, ich kann nicht sagen zu welcher Einheit die gehörten." Die Soldaten hatten einen amerikanischen Fallschirmjäger bei sich. "Der Amerikaner war schwer von einer MG-Salve oder etwas in der Art getroffen worden, seine ganze rechte Seite, Gesicht, Schulter und Hüfte waren blutig, einer der Soldaten riss dem armen Kerl noch das Tarnnetz vom Helm." Karl-Heinz M. erkundigte sich bei den Männern nach seinem Regiment und wo es sein könnte. "Die Männer gaben mir Auskunft wo das Regiment liegen würde." Karl-Heinz M. machte sich auf den Weg und fand zurück zu Teilen des 6. Regiment. Gemeinsam zog die Gruppe sich in Richtung Carentan zurück als die Männer am frühen Morgen nahe St.-Come-du-Mont plötzlich auf einen amerikanischen Stuart-Panzer stießen. "Man drückte mir eine Panzerfaust in die Hand und sagte mir das ich auf den einen Panzer schießen solle. Wir hockten in einem Graben der voll mit Wasser war, an der Strassenseite. Ich robbte dann los. Als der Panzer an mir vorbei rollte schoss ich ihm von hinten in die Ketten, der karl heinz m 2war ca. 50 Meter weg." Karl-Heinz M. gelang es den Panzer zu zerstören. "Ich sah den Kommandanten wie er versuchte aus der Lucke zu kommen - Er hat es nicht geschafft und ist verbrannt, ein zweiter Soldat stieg noch aus dem Panzer." Am selben Tag wurde in unmittelbarer Nähe ebenfalls ein Panzer direkt vor einer Sanitätsstelle an einer Straßengabelung abgeschossen welche der Sanitätsstelle den heutigen Namen einbringen sollte - "Dead Man''s Corner". "Damals wusste ich nicht das bei der Sanistelle auch Jungs von uns vom II. Bataillon saßen und auch noch einen Panzer zerstörten." Die Gruppe um Karl-Heinz M. erreichte das Haus (Dead Man''s Corner Museum) an der Straßengabelung. "Man sagte uns das in dem Haus eine Sanistelle eingerichtet war und falls es uns erwischen sollte wir uns da melden können und versorgt werden würden". "Nahe dem Haus (das heutige Dead Man''s Corner Museum), dass damals als Verbandsplatz gekennzeichnet war, bogen wir in einen Seitenweg ab, es sollten dort angeblich überall Minen liegen." Die Gruppe sollte durch den Seitenweg nahe der Straßengabelung in ein kleines Waldstück kommen um dort die Nacht zu verbringen. "Mir war das Waldstück nicht geheuer, ich hörte zwischen unser Gruppe und einer anderen Gruppe irgendwelche Geräusche." Noch in der selben Nacht setzte die Schiffsartillerie ein und nahm das Waldstück unter schweren Beschuss. "Die haben uns dann mit karl heinz m 8Phosphorgranaten beschossen, alles war am brennen, ich selbst auch. Die haben auch die eigenen Leute getroffen." Zur gleichen Zeit in der Nacht/Morgengrauen des 8. Juni 1944 wurde Karl-Heinz M. in dem Waldstück schwer verwundet. "Plötzlich wurde ich durch einen Scharfschützen der in einem Baum saß getroffen. Das Geschoß streifte mein Gesicht und drang am rechten Schlüsselbein in meine Lunge ein. Mein ganzer Arm hing schlapp herunter. Der wollte mich wohl am Kopf treffen. Mein Glück war das ich genau in diesem Augenblick eine Bewegung gemacht habe." Karl-Heinz M. machte sich nun auf den Weg zurück zu dem Haus an der Straßengabelung (heutige Dead Man''s Corner Museum) an dem der Verbandsplatz eingerichtet war. "Ich sah auf dem Weg zur Sanistelle noch einen Kameraden dem ein Bein abgerissen worden war, ich ließ mein Verbandszeug zurück und sagte einem anderen Kameraden er solle das Bein abbinden. Ich presste meine linke Hand auf meine die Wunde und lief. Als ich das Haus (heutige Dead Man''s Corner Museum) sehen konnte sah ich auch Amerikaner, man sagte uns wenn der Ami uns bekommt schneidet er uns die Kehle durch, und so ließ ich mich ca. 400 vom Verbandsplatz in einen Graben fallen, ich kann nicht sagen wie lange ich dort gelegen habe." Karl-Heinz M. wurde dann von Amerikanern entdeckt. "Ich hörte nur wie jemand rief -"Get off man!"- da standen dann plötzlich drei Neger vor mir." Karl-Heinz M. konnte sich jedoch kaum bewegen. "Einer der Männer stieg zu mir in den Graben und trat mir in die Seite. Einer von den Männern gab mir Wasser, da hat einer dann mein Klappmesser entdeckt und riss es mir von der Kleidung." Karl-Heinz M. musste den Amerikanern erklären wie man das Messer bediente. Karl-Heinz M. wurde später auf eine Trage gelegt und über die Straße in Richtung des Verbandsplatz an der Straßengabelung gebracht als plötzlich Feuer auf die Männer eröffnet wurde. "Ich wurde auf der Straße liegen gelassen, mitten in diesem Angriff, die anderen suchten alle Deckung, einen von den Amerikanern die mich transportierten hat es dabei erwischt." Als der Angriff vorüber war wurde Karl-Heinz M. zu dem Haus an der Straßengabelung gebracht (heutige Dead Man''s Corner Museum). "Da war eine kleine Treppe die hoch zur Haustür führte, darunter lagen viele tote Soldaten. Man wollte mich schon dazu legen als plötzlich ein deutscher Sani rief -"Halt, der lebt ja noch, den können wir noch retten!"-. Ich wurde dann durch die Tür in das Innere des Hauses gebracht." "Wie lange ich in dem Haus war kann ich nicht sagen, viel Elend habe ich dort gesehen." Später wurde Karl-Heinz M. dann mit einem Trecker nach Cherbourg gebracht. "Da wollten uns Franzosen mit einer Mistgabel bekriegen, ein Ami hat dann in die Luft geschossen da waren die Franzosen sofort weg." "Ich wurde dann mit einem Schiff von Frankreich nach England gebracht." Nach einer Woche sammelte sich dann plötzlich Wasser in der Lunge von Karl-Heinz M. "Ich wachte in der Nacht auf und bekam keine Luft mehr." Eine polnische Schwester holte den Arzt und Karl-Heinz M. wurde in einem Krankenhaus operiert. "Ich hatte einige Wochen damit zu tun. Dann ging es in die USA." Auch in den USA musste Karl-Heinz M. verschiedene Operationen über sich ergehen lassen. "Ich war in Arkansas und Oklahoma ehe ich im Juli 1945 wieder entlassen wurde." Karl-Heinz M. sollte nach Frankreich kommen. "Wir sollten mit dem Zug nach Deutschland gefahren werden, blieben jedoch an einem Bahnhof stehen". "Da wollte jemand uns an die Franzosen verkaufen, als billige Arbeitskräfte." Erst durch den Widerwillen der Deutschen ging die Reise dann weiter nach Deutschland. "Ich kam in ein Lager bei Babenhausen, wir mussten zwei Wochen in Erdlöcher hausen, bei Wind und Wetter." "Man hat uns alles abgenommen in dem Lager." Karl-Heinz M. sollte noch 1945 zu seiner Familie in Oldenburg zurückkehren. "Meine Mutter hatte mich erst gar nicht erkannt." Karl-Heinz M. sollte 2004 und 2009 zurück in die Normandie kommen, auch an das Haus an der Starßengabelung bei St.-Come-du-Mont wo ihm ein deutscher Sanitäter das Leben rettete. "Ich wurde immer herzlich aufgenommen. Bei allen meinen Besuchen, auch bei Begegnungen mit den Feinden aus der damaligen Zeit."

Karl-Heinz M. bei einer seiner Reisen zurück in die Normandie vor der ehemaligen Sanitätsstelle, dem heutigen "Dead Man''s Corner Museum", an der Straßengabelung nahe St.-Come-du-Mont wo ihm am 8. Juni 1944 ein deutscher Sanitäter das Leben rettete.

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Wir bedanken uns bei Karl-Heinz M. für die tolle Freundschaft und hoffen das sie noch lange bestehen bleibt.