Tailleville

Tailleville ist eine kleine Ortschaft die nur etwa 2 Kilometer südlich von St.-Aubin-sur-Mer direkt hinter dem Juno Beach an der D219 liegt. Zur Zeit der north shore regiment 2Invasion bildete die kleine Siedlung und das Chateau das WN23. Im Chateau der Ortschaft befand sich das Hauptquartier und der Gefechtsstand von Hauptmann Deptolla, dem Bataillonskommandeur des II. Bataillons des 736. Grenadier Regiment. Die Ortschaft und das Chateau wurden von der 8. Kompanie des 736. Grenadier Regiment unter dem Kommando von Hauptmann Grzeski besetzt und verteidigt. Im Vorfeld des D-Day wurde die Ortschaft und das anliegende Chateau durch die deutschen Besatzer stark befestig und glich teilweise einer ganzen Festung, die gleichzeitig Flankenschutz für die Radaranlagen in Douvres bilden sollte. Die Verteidigungsanlagen reichten bis vor die Ortschaft in die Felder hinein und waren durch Tunnel und Laufgräben untereinander und mit dem Chateau verbunden. Eines der größten Hindernisse bildete dabei eine ca. 3 Meter hohe Mauer die Teile des Chateaus und der Ortschaft umgaben und begrenzten. Die Mauer wurde weit vor der deutschen Besatzung errichtet und bildete einen wirkungsvollen Schutzwall den sich die deutschen Verteidiger zu Nutzen machten. Zusätzlich wurden Tubrukstände und MG-Stellungen durch die deutschen Verteidiger errichtet und in die Mauer des Chateaus integriert. Während der Kämpfe am 6. Juni wurde die C-Company unter dem Kommando von Major Daughney des kanadischen North Shore (New Brunswick) Regiment damit beauftragt die Ortschaft zu nehmen um dann noch während des 6. Juni 1944 weiter auf die Radaranlagen bei Douvres vorzustoßen mit dem Befehl diese noch am selben Tag zu nehmen. Bereits am frühen Morgen landete das North Shore Regiment unter dem Kommando von Lt. Col. Buell nach Plan westlich von St.-Aubin-sur-Mer im Landesektor "Nan Red" (siehe Bild links, B-Company zwischen Bernieres-sur-Mer und St.-Aubin-sur-Mer). Die C-Company drang dabei weiter in das Hinterland vor und näherte sich von St.-Aubin-sur-Mer aus kommend der Ortschaft Tailleville über offenes Feld und Gelände am Vormittag des 6. Juni 1944. Vor der Ortschaft geriet die Company dann in schweres Abwehrfeuer durch Mörser- und MG-Beschuss das aus der Ortschaft kommen sollte.  Die Company blieb unter dem Abwehrfeuer immer wieder in ihrem Vormarsch stecken. Mit Unterstützung der A-Company und Panzern der Fort Garry Horses gelang dann ein Vormarsch unter schwerem Beschuss und schweren Verlusten bis an den nördlichen Ortsrand von Tailleville. Der C-Company gelang es mit Hilfe der Panzer in das Gelände des Chateaus einzubrechen. Hier stießen die Männer der Regiments erneut auf heftigen Widerstand. Die Kämpfe um das Chateau und der Ortschaft glichen schwerer Häuserkämpfe. Lt. Col. Buell selbst geriet während der Kämpfe nahe dem Chateau unter feindlichen Beschuss. Bei dem Versuch Major McNaughten und der A-Company an dem Gehöft der Familie Cassignuel Befehle zu erteilen eröffnete eine deutsche MG-Stellung plötzlich das Feuer auf Buell und die Männer unmittelbar an der Einfahrt des Gehöft, das genau an das Chateau angrenzt. Das Feuer stammte aller Wahrscheinlichkeit nach aus dem Tobrukstand unmittelbar vor dem Gehöft und dessen Zufahrt, noch heute ist der Tobrukstand zu erkennen. Drei Männer verloren bei diesem Angriff ihr Leben, darunter auch Major McNaughten der A-Company. Das Feuer zwang Lt. Col. Buell und den Rest seiner Männer in Deckung zu gehen. Erst mit Unterstützung eines Panzers der Fort Garry Horses gelang es dann das Maschinengewehr auszuschalten. Felix Cassignuel, der Besitzer des Gehöft verlor noch am Nachmittag bei den Kämpfen um die Ortschaft durch eine kanadische Granate sein Leben. Noch heute befindet sich das Gehöft in Familienbesitz. Die Kämpfe um das Chateau und der Ortschaft sollten noch bis zum Nachmittag des 6. Juni andauern ehe die Kanadier die Ortschaft nehmen konnten, völlig feindfrei war Tailleville allerdings erst in den Abendstunden. Die Verluste des Regiment sollten sich auf 34 Tote und 90 Verwundete belaufen. Die Kämpfe um Tailleville hatten zur Folge das das Ziel, die Einnahme der Douvres Radaranlage durch das North Shore Regiment am 6. Juni 1944, nicht eingehalten werden konnte. Erst am frühen Morgen des 7. Juni 1944 erreichten die Kanadier die Radaranlage die sich noch bis zum 17. Juni halten sollte. Heute lassen sich noch zahlreiche Reste der Kämpfe um Tailleville finden. Neben der 3 Meter hohen Mauer, mit ihren Schießscharten und einem Tobrukstand lässt sich am Chateaueingang, auf dem "Place Alphonse Noel" ein weiterer Tobrukstand finden. Der Platz trägt heute den Namen eines kanadischen Soldaten der während der Kämpfe um Tailleville sein Leben verlor. An den Wänden des Chateaus findet der Besucher immer wieder Einschusslöcher oder Schäden durch Granatsplitter die teiweise notdürftig verputzt sind. Der Platz an der Hauptkreuzung der D219 und D35 trägt heute den Namen "Place du Royal North Shore Regiment" und erinnert damit an das Regiment das die Ortschaft befreite. 

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Bild1: Einfahrt zum Chateau, Tobrukstand im Vordergrund / Bild2: Das Chateau / Bild3: Kampfspuren am Chateau / Bild4: Die Mauer der Ortschaft mit Befestigungsanlagen / Bild5: Gehöft der Familie Cassignuel / Bild6: Tobrukstand vor dem Chateau / Bild7: Das Chateau / Bild8: Verteidigungsanlagen an der Mauer der Ortschaft / Bild9 und 10: Place de Alphonse Noel / Bild11: Blick von St.-Aubin-sur-Mer in Richtung des Chateau / Bild12 und 13: Die Mauer der Ortschaft / Bild14: Dorfeinfahrt / Bild15: Place de Alphonse Noel / Bild16: Das Chateau / Bild17: Tobrukstand mit Blickrichtung St.-Aubin-sur-Mer / Bild18: Das Gehöft Cassignuel / Bild19 und 20: Place du Royal North Shore Regiment / Bild21: Befestigung in der Mauer der Ortschaft.